Baugruppen

eine besondere Wohnform

„Eine Baugruppe – was ist das denn? Wohnst du in einer Kommune oder so?“ Menschen, die in einer Baugruppe leben, haben diese oder ähnliche Fragen meist schon oft gehört. Ein Blick auf Wikipedia ist für das bessere Verständnis von einer Baugruppe nur bedingt hilfreich. Er liefert an erster Stelle eine Erklärung aus dem Maschinen- und Anlagenbau: „Eine Baugruppe ist eine Komponente einer Anlage oder eines Systems, ohne die das gesamte System gar nicht oder nur eingeschränkt funktioniert.“, heißt es da. Obwohl …

Baugruppen realisieren alternative Wohnmodelle

In Baugruppen schließen sich Menschen zusammen, die ihren individuellen Wohnraum und das umgebende Wohnumfeld gemeinsam mit anderen schaffen und gestalten wollen. Vielen geht es dabei um das Leben in einer aktiven Nachbarschaft, in einer Gemeinschaft im Unterschied zum anonymen Wohnen in Standardwohnungen. Baugruppen planen und bauen gemeinsam ihr Haus – oft mit bestimmten Schwerpunkten. Manche legen besonderen Wert auf nachhaltiges Bauen, andere auf flexible Wohnformen, wieder andere auf die Förderung der Gemeinschaft oder auf die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen – und viele auf alles zusammen.

Gleis 21 Baugruppe Wohnprojekt Sonnwendviertel

Lesung in der Bibliothek

Baugruppen fördern aktive Nachbarschaft

Baugruppen kennzeichnet auch eine sehr aktive Gestaltung des Zusammenlebens: dazu gehören gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen (Küche, Veranstaltungsraum, Bad, Bibliothek etc.), die Organisation der Hausgemeinschaft (durch Arbeitsgruppen oder ähnliches) bis hin zur selbständigen Verwaltung des Hauses. Die Rechtsformen, die Baugruppen wählen, sind sehr unterschiedlich. Von Eigentumsmodellen über Vereine bis hin zu Genossenschaften ist vieles möglich. Baugruppen sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie umsetzen.

Baugruppen gestalten die Stadt mit

Über ihr unmittelbares Wohnumfeld hinaus gestalten Baugruppen auch ihren Stadtteil mit. Sie bieten meist Flächen für Gewerbebetriebe, Kultureinrichtungen oder soziale Projekte. Deshalb werden in Wien in Stadtentwicklungsgebieten nun immer öfter auch Grundstücke für Baugruppen-Projekte vorgesehen. Insofern stimmt die Beschreibung aus Wikipedia doch auch ein bisschen: ohne Baugruppen würde eine Stadt funktionieren – sie wäre allerdings um einige Motoren der Stadtentwicklung ärmer.